Information / Informacja

  1. Rückstellungsvertrag

  2. Teaser

  3. ein paar Zahlen

  4. Copyright

  5. Synopsis

  6. Skriptentwicklung

  7. Dreharbeiten

  8. Postproduction

  9. dramaturgische Hintergründe

  10. Astro-Logisches



1. Rückstellungsvertrag

Ein Vertrag für alle

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2. Teaser

DAS PROJEKT ZWÖLF STERNE - eine gänzlich unwahre Geschichte 

von JGH Hoppmann, Deutschland  5/2004, 1h 28min = 88'00, Kamera: Vincent Chmiel und 17 andere Kameraleute, Schnitt: Jürgen GH Hoppmann und 7 andere Cutter, Music: Matthias Caesar und 12 andere Musiker, Darstellert: Doris Schmidt, Steffen Böye, Fred Schmidt and 45 other actors

"Das Projekt Zwölf Sterne" (Arbeitstitel während der Produktion: Sternenzauber/StarWitchery) ist eine gänzlich unwahre Verschwörungsgeschichte über den EURO und dunkle Finanzintrigen in der Deutschen Regierung. Lilith, im Ministerium arbeitend, gerät in einen Strudel von Schikanen und Intrigen. Ein verschlafener Flohmarkttöpfer aus der früheren DDR versucht, ihr zu helfen. Eine kuriose Satire über das  "Old Europe" der Jetztzeit.

THE TWELVE STARS PROJECT - a downright untruthful affair

by JGH Hoppmann, Germany 2004, 1h 28m = 88', Camera: Vincent Chmiel and 17 other photographers, Cut: Jürgen GH Hoppmann and 7 other cutters, Music: Matthias Caesar and 12 other musicians, Cast: Doris Schmidt, Steffen Böye, Fred Schmidt and 45 other actors

"Das Projekt Zwölf Sterne" (The Twelve Stars Project Stars) is a downright untruthful conspiracy story about the EURO and dark financial obscurantists in the German government. Lilith, working in the ministry, gets in a maelstrom of chicanery and intrigues. An overslept fleamarket potter from former GDR tries to help her. Curious satire on "Old Europe" in these days!

LE PROJET DOUZE ETOILES - une histoire absolument invraisemblable

par JGH Hoppmann, Allemagne 5/2004, 1h 28mn = 88'00, Prises de vues: Vincent Chmiel et 17 autres caméramen, Montage: Jürgen GH Hoppmann et 7 autres monteurs, Musique: Matthias Caesar et 12 autres compositeurs, Actrices et acteurs: Doris Schmidt, Judith Seither, Steffen Böye, Fred Schmidt et 44 autres acteurs et actrices.

"Das Projekt Zwölf Sterne" (Le projet Douze Etoiles) est une histoire absolument invraisemblable ayant pour thème l'EURO et un groupe d'obscurs financiers occultes appartenant au gouvernement allemand. Lilith qui travaille au ministère, arrive en plein milieu d'un tourbillon de chicanes et d'intrigues. Chiron, un amant de l'ancienne R.D.A., qui vend des poteries au marché aux puces de Berlin, pourra-t-il vraiment l'aider? Une satire, plus réelle que la vraie "Vieille Europe" d'aujourd'hui.

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3. ein paar Zahlen

4  Jahre Skriptentwicklung, 46 Tage / 8 Monate Dreharbeiten, 9-15 Monate Postproduction = 5 1/2 Jahre Gesamtentwicklung

18 Mitwirkende Scriptconsulting, 83 Mitwirkende Dreharbeiten und Postproduction

EUR   3.500,- Drehbuchentwicklung, EUR   1.800,- Büromaterial, Porto, EUR   1.900,- Benzin, PKW, Bahn, EUR   4.200,- Telefon, Internet, EUR   9.500,- Computer, Filmmaterial, EUR   3.900,- Catering, Sonstiges, EUR 66.500,- Honorar-Rückstellung = EUR 91.300,- Gesamtkosten

Anmerkung:  Insgesamt wurden EUR 24.800,- von Autor/Regisseur/Produzent an Barmitteln aufgebracht, und zwar durch Erspartes, Arbeiten parallel zur Produktion, Auflösung der privaten Rentenversicherung sowie Verkauf von Auto und Klavier. Es wurden keine Kredite aufgenommen und es gab keinerlei Drittmittel, weder durch Filmförderung, noch durch private Sponsoren, Familie, Freunde oder sonstige Geldgeber. 

Die in den Danksagungen erwähnten Firmen und Privatleute stellten lediglich Sachmittel (z.B. einen VW-Phaeton im Wert von EUR 78.000,- und eine astrologisch-astronomische Armbanduhr von Ulysse Nardin im Wert von EUR 64.000,- ohne jegliche Forderungen nach Gegenleistung zur Verfügung. Diese oder weitere Sponsorenobjekte wurden den nach den Dreharbeiten den Firmen in Deutschland und der Schweiz zurückgegeben. Gleichfalls ohne Forderungen nach Gegenleistung oder Eingriffe in die Skriptentwicklung wurden Drehgenehmigungen zu reduzierten Kosten gewährt, beispielweise in Berliner Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in der Präsidentensuite des Grandhotel Maritim, dem Ballhaus München und dem ehemaligen DDR-Postministerium in Berlin-Adlershof. Gleiches gilt für Sternburg-Biere oder Call-a-Pizza, die als direkter Bestandteil  der Plotentwicklung (z.B. Sternburg / Stern / Sternenglaube) zu sehen sind und während bzw.nach dem Dreh vom ausgehungerten Team verköstigt wurden. Zudem umfassen die oben erwähnten Honorar-Rückstellungsverträge nebst Leitungen von Team und Staff alle Musiken, die im Film verwendet wurde, eigens für diesen komponiert wurde und frei von Rechten dritter ist.

Folglich gab es ein Maximum an kreativer Freiheit für alle am Film Mitwirkenden. Die einzigen Beschränkungen kamen von JGH Hoppmann, in Personalunion Autor, Regisseur und Produzent, den in seinem ständigen Wechsel von loben, schimpfen, ermutigen und zurechtstutzen, betteln, jammern und umgarnen zugegebenermaßen gewaltig an den Nerven aller sägte, seine Funktion jedoch - zumindest war und ist dies seine erklärte Absicht - ausschließlich für einen möglichst harmonischen Ausgleich aller schöpferischen Kräfte und deren Bündelung in einen abendfüllenden Spielfilm zu erreichen. Und wo ihm dies nicht gelang oder er den Bogen überspannte, war Co-Regisseur und Dramaturg Udo Moll stets präsent. Die Rollenverteilung good guy bad guy war gezielter verteilt, als manche es sich vielleicht vorstellen können.

DAS PROJEKT ZWÖLF STERNE ist eine Independant-Produktion im besten Sinne, mit alle Vor- aber auch Nachteilen solch einer Produktionsart. Zwar konnten alle Beteiligten in einem derartigen Ausmaß gestalterisch am Film mitwirken, wie es sonst wohl kaum möglich ist. Und die lange Zeit der Postproduction mit ihren vielen Screenings, Drehbuchüberarbeitungen, Nachdrehs und Soundentwicklungen (Anfang Januar 2003 war der ersten und erst im April 2004 der letzen Drehtag) balancierte das Gesamtprodukt optimal aus. Bis zum letzten Moment fanden Diskussionen und Entscheidungen stets nur innerhalb des Teams statt. Es gab keinerlei Reinreden von Filmuniversitäts-Professoren, TV-Sender-Lektoren, Festival-Leitern, Verleihfilmen oder Filmforderungsanstalten. Der Film ist ein genuines Produkt seiner Macher.

Doch genau dies ist auch der Nachteil einer Independant-Produktion. Wer sich nicht wie ein Tier im Zoo füttern und zum verfetteten Schoßhündchen domestizieren lässt, stattdessen die freie Wildbahn und Geschmeidigkeit der Raubkatzen bevorzugt, für den gilt das Gesetz des Dschungels: Kein fester Abspielplatz in einem Fernsehsendern, keine wohlwollende Kungelei durch alte Medienhasen mit ach so guten Kontakten, keine weiche Abpolsterung durch Fördergelder. DAS PROJEKT ZWÖLF STERNE braucht ein paar gewichtige Leute, die den Film aus völlig freien Stücken einfach nur so lieben und auf den Markt bringen. Nur dann gibt es eine Refinanzierung der  Produktionskosten, nur dann können die Rückstellungsverträge bezahlt werden. Ende Mai 2004 ging der Film an die Festivals. Ob er ein Erfolg wird? Nun, das steht in den Sternen.

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4. Copyright

Der Film „AstroEuros“ (Arbeitstitel "Sternenzauber") ist eine originelle Geschichte, entwickelt und basierend auf einer Idee des Autors und realisiert durch ihn selbst. Er ist ausschließlicher Besitzer der Urheberrechte. Das erste 98er- Treatment wurde unter der Urkundenrollen-Nummer 817/1998 Rechtsanwalt und Notar Joachim Reißig Kurfürstendamm 157/158 10709 Berlin hinterlegt. Das komplette Drehbuch ist bei der WGG Writers Guild in Germany Friedensallee 7 22765 Hamburg unter der Nr. 202009-2920 registriert.

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Rechtliche Fragen Daß es sich bei diesem Drehbuch ausdrücklich um eine Satire handelt (und die Zuschauer den Film lieben werden, weil er Hoffnung und Furcht ihrer aktuellen soziologischen Situation wirklich spiegelt) und alle diesbezüglich üblichen künstlerischen Freiheiten in Anspruch genommen werden, soll in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich erwähnt werden.

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5. Synopsis

Opening Männerhände bemalen eine Tontasse mit Symbolen und schieben sie mit anderen in einen Töpferofen. Lauter werdendes Klingeln.  Exposition Ein junges Mädchen wacht auf, zieht sich hastig an, wartet nachts am Bonner Talweg beim Venusberg auf ein Taxi. Sternenhimmel. Auf der Fahrt über die Autobahn schaut Lilith verträumt und verschlafen hinaus. Man sieht immer nur ihren Oberkörper. Plötzlich zieht sie die Handbremse. Der Fahrer soll eine Abkürzung zum Flughafen Köln-Bonn nehmen. Autobahn bei nachtklarem Himmel. Titeleinblendung „Sternenzauber“. Der Flughafen taucht auf. Im Flugzeug die Ansage, dass eine russische Ersatzmaschine aus Interflug-Beständen für die Bonn-Berlin-Regierungspendler zum Einsatz kommt. Lilith wird im engen Gang von Männern bedrängt die eine schmierigen Blondinenwitz erzählen. Die Stewardess setzt sich neben ein kleines Mädchen, das Euro-Münzen auf Papier abpaust, die 12 Sternen anmalt, Sternzeichen daneben malt, sie nach Sternenzauberer fragt. Lilith wird wieder müde und schläft ein. Bis jetzt waren Gesichter der Personen nicht erkennbar, abgesehen vom kleinen Mädchen und von Lilith selbst, letztere aber nur bis zum Oberkörper erkennbar. Drei ältere, vornehme Herren im halbdunklen Berliner Europahaus, um ein Horoskop sitzend. Vom Flughafen Berlin-Tegel fährt Lilith ein aggressiver Taxifahrer durch die Stadt. Ihre bereits angemietet Wohnung in der Alten Potsdamer Straße liegt wider Erwarten nicht in einer romantischen Altstadt, sondern zwischen postmodernen Wolkenkratzern. Einen Ruhepunkt findet sie dann doch noch: auf dem Künstlerflohmarkt. Dort kauft sie beim Stand des Töpfers Chiron eine Tasse mit dem Symbol ihres Sternzeichen Steinbock. Ein etwas zu langer Augenkontakt. Empfang am neuen Arbeitsplatz im Wirtschaftsministerium. Die neuen Kollegen sind anfangs freundlich, wenden sich jedoch ab, als Lilith die Tasse auspackt. Irritiert ruft man sie ins Büro des Abteilungsleiters gerufen. Durch einen Schreibfehler ging man davon aus, dass sie in einem anderen Monat geboren ist. Nun sei sie überqualifiziert und entsprechend ungeeignet. Eine besser dotierte und passenden Stelle könne sie zwar bekommen. Doch müsse sie sich schnell entscheiden, den alten Arbeitsvertrag sofort kündigen. Sie willigt ein und unterschreibt alles.  

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Erste Konfrontation Man schiebt Lilith ab, in einen kleinen Arbeitsraum ohne Computer. Und man schikaniert sie: Mobbing. Bald ahnt sie, dass diese Beförderung einem Hinauswurf gleichkommt. Man platzierte sie auf den Schleudersitz. Eine russische Putzfrau macht Andeutungen. Abends schleicht sie sich heimlich ins Chefbüro. Überall liegen Horoskope. Ihres hat den Vermerk 'sofort entlassen'. Wegen ihres Sternzeichens also! Heimlich kopiert sie die Unterlagen. Erster Kontakt mit einer burschikos-geschwätzigen Astroline-Telefonistin. Die Schikanen gehen weiter. Lilith fühlt sich einsam und isoliert. Doch zurück nach Bonn möchte sie auch nicht. Weitere Schikane im Büro. Rückzug in Kitsch. Heimweh. Innere Emigration. Drei ältere, vornehme Herren im Berliner Europahaus fragen sich, ob eine gewisse Person es noch schaffen wird. Lilith in einer Bonner Kneipe in Berlin. Dann zieht es sie zum Flohmarkt. Sie macht dem Töpfer Chiron Vorwürfe. Er habe ihr eine Tasse verkauft, die ihr Sternzeichen zeigt. Und das sei der Anlass für viele Schikanen gewesen. Er allein sei schuld. Sie lädt ihre ganze Wut an ihm ab. Die Wut schlägt in Sympathie um. Oder ist es sogar Liebe? Sie wirft sich in seine Arme, findet Geborgenheit in seinem Bett. Einen Teil der kopierten Horoskope lässt sie unbemerkt bei ihm. Seine Werkstatt ist übervoll mit alten Kisten, die er nicht auspackt. Ein Künstler aus einem nicht mehr existierenden Land, der damals gehen wollte und heute immer noch nicht angekommen ist. Innerer Rückzug, Kunstverstand, sympathisch, aber passiv. Chiron macht ihr Mut, um den Job zu kämpfen. Lilith versucht, den Unterstaatssekretär und die Chefsekretärin wegen der Horoskope unter Druck zu setzten. Ein sicherer Arbeitsplatz ohne Schikane. Oder die Fotokopien gehen an die Presse. Doch wird man ihr dort diese abstruse Horoskopgeschichte abnehmen? Die Chefsekretärin will die Widerspenstige zurück nach Bonn ins ehemalige Postministerium schicken. Organisatorische Probleme. Und so gibt man ihr noch eine Chance. Beim Bundespresseamt darf sie unter Abteilungsleiter Störnberg Horoskope fürs Ministerium anfertigen. Sie ist zufrieden. Der Kampf scheint gewonnen.  

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Zweite Konfrontation Abends geht sie wieder zu Chiron. Der zeigt ihr au einem Spaziergang die Sternzeichenkuppel im Alten Museum, ein Modell des Römischen Pantheon, die Kuppel der St. Hedwigs Kathedrale und schließlich die Reichstagskuppel. Aber er hat kein Ohr für die Karrierepläne seiner jungen Freundin aus Westdeutschland, kann auch ihre Begeisterung für Luxusgeschäfte in der Friedrichstraße nicht teilen. Mentalitäts- und Altersunterschiede. Abends telefoniert sie mit der Astroline. Wieder schlafen sie zusammen. Das gemeinsame Frühstück fällt kurz aus. Am nächsten Tag fängt Lilith beim dynamischen Störnberg im grandiosen Neubau am Reichstagsufer an. Geheime Horoskopanalysen für Finanzentscheidungen der Regierung und Stellenausschreibungen des Wirtschaftsministeriums etc. Mittags Businesslunch mit Störnberg in der Galerie LaFayette. Mit ihm kann lustvoll die Rolls-Royce Filiale Friedrichstraße Ecke Unter den Linden durchschlendern, die Auslagen der Juwelier- und Modeläden betrachten. Abends fordert er kühl sein Recht. Sie wolle doch Karriere machen, oder? So unansehnlich der feiste Störnberg auch ist: Sie willigt ein. Nachts im seinem Appartement noch ein Anruf des schon fast vergessenen Töpfers. Sie verleugnet ihn am Telefon. Resigniert akzeptiert Chiron die neue Situation. Nach einigen Tagen geht Lilith nochmals zum Flohmarkt. Mit ihrem hochdotierten Posten ist sie solvent genug, um ihm ganze Serien von Sternzeichentassen abzukaufen. Ansonsten: Er solle sie in Ruhe lassen! Der neue Job bringt es mit sich, dass Lilith viel über Astrologie in der Personalplanung und speziell im Börsengeschäft lernt. Sie besucht einen esoterischen Buchhändler, der merkwürdige Andeutungen über ein Kind von zwei Vätern macht. Horoskop-Nachhilfe bekommt sie via Astroline von der Telefonistin. Die Chefsekretärin überträgt ihr die Ablehnung einen qualifizierten Bewerbers. Sie darf nicht erwähnen, dass sein „falsches“ Sternzeichen Ausschlag gab. Die psychische Belastung für Lilith ist groß. Sie muss sich übergeben. Die Chefsekretärin reicht Tabletten, gibt anzügliche Kosmetikhinweise. Noch glaubt Lilith daran, dass die Astrologie eine ehrenhafte Wissenschaft ist. Störnberg zeigt ihr, dass auch in anderen Ministerien der Sternenglaube vorherrscht. Die Geheimbündler seien überall, die Reichstagskuppel ihr magisches Symbol. Dagegen könne sie allein nichts machen.  

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Zentraler Punkt Letztendlich geht es um internationale Finanzgesellschaften, die mit der Astrologie arbeiten und Einfluss auf den Euro nehmen wollen. Ein großes Fest zur Einweihung der Zentraleuropäischen Börse in Berlin wird in Kürze wichtige Geldgeber zusammenbringen. Lilith soll zur Vorbereitung auf dem Kalenderplatz der Bundesgartenschau in Berlin-Britz beim Unterstaatssekretär persönlich vorsprechen. Der entpuppt sich als machtgeiler Wüstling, der nur an Macht und Geld glaubt, ungeniert von Lilith sexuelle Prostitution fordert. Sie zwingt sich, mitzuspielen. Doch ihre psychischen und körperlichen Widerstände sind zu groß. Sie erbricht sich, rennt weg. Auf diese Weise kann sie nicht Karriere machen. Sie will nur noch Aussteigen und eine Abfindung kassieren.  

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Dritte Konfrontation Lilith bittet Chiron und die Telefonistin, welche sie bislang nur als Stimme kannte, um Hilfe. In einer Pizzeria treffen sie sich und machen einen Plan. Am nächsten Tag verschafft sich die Telefonistin als Fahrradkurier verkleidet Zugang zur astrologische Abteilung im Finanzministerium. Sie handelt angeblich in Störnbergs Auftrag und bekommt wertvolle Dokumente. Die soll Chiron dann als Kontaktmann sicher deponieren. Alles scheint zu klappen. Doch Störnberg hört ein Telefongespräch ab und schreitet ein. Er schnappt sich die Telefonistin mit den Dokumenten. Chiron bleibt unerkannt. Die Telefonistin erkennt die Chancen der Situation, gibt Störnberg die Dokumente, becirct ihn und lässt sich ihm Restaurant einladen. Schließlich habe er nun mit Lilith eine fähige Sekretärin verloren, brauche eine neue Assistentin. Zum Abschluss des sektfröhlichen Abends fordert sie kühl ihr Recht aus die Nacht. Dem beugt er sich nur allzu willig. Zu gleicher Zeit erfährt Lilith bei Chiron, dass die ganze Aktion gescheitert ist. Er hatte die Situation unerkannt beobachtet. Völlig verzweifelt geht sie hinaus in die Nacht, trifft auf Bettler, Spinner und den abgelehnten Bewerber. Ein Anruf bei der Astroline ist jetzt nicht mehr möglich. Die Telefonistin liegt in Störnbergs Bett. Und diesmal ist Lilith die Verleugnete. Sie zerschlägt in ihrer Wohnung den Astro-Klimbim. Nachbarn klingeln. Ob alles OK ist? Oh ja: Sie entspannt sich gerade, sehr gut sogar.  

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Vierte Konfrontation Lilith bringt die Astrobücher zum Esoterikbuchhändler und kehrt devot zu den mobbenden Kollegen ins Wirtschaftsministerium zurück. Ihre Entlassung steht kurz bevor. Drei ältere, vornehme Herren im Berliner Europahaus beschließen, einer gewissen Person diskret Unterstützung zukommen zu lassen. Lilith Schwangerschaftstest ist positiv. In der Toilette macht ihr die russische Putzfrau Mut. Aus Wut wird Kraft. Doch das lässt sie noch keinen spüren. Die Telefonistin macht inzwischen Karriere bei Störnberg im Ministerium. Können ist nichts. Allein der Auftritt zählt. Lilith bittet die Telefonistin devot um Protegé für Chiron. Könne der nicht seine Töpferkunst beim Planetenball ausstellen? Lilith würde alles aufbauen. Störnberg sagt zu, denn seine neue Ministerialassistentin will es so. Lilith soll aber auch Serviererin spielen. Ihre absolut letzte Tätigkeit vor dem Ausscheiden. Die Telefonistin hat einen Sohn. Der wird nun Minister-Bodygard. Am letzten Abend geht Lilith wieder in Chirons Töpferwerkstatt. Sie verzeiht ihm und hilft, Ausstellungsmaterial für das Banker-Fest am Kalenderplatz zusammenzupacken. Chiron hat seine Kisten aus alten Zeiten geöffnet: Skurrilste Töpferwaren. Die versteckten Horoskop-Kopien nimmt sie zum Einpacken, während Chiron emsig kocht. Ihr riesengroßer Hunger erstaunt ihn. Sie beichtet die Schwangerschaft. Von wem? Es gibt zwei Möglichkeiten. Sie gehen zu Bett wie ein altes Ehepaar.  

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Auflösung Drei ältere, vornehme Herren im Berliner Europahaus hoffen, dass zum rechten Zeitpunkt das Richtige geschieht. Der Unterstaatssekretär übt seine Rede fürs Fest. Die Chefsekretärin will ihm eine warnende Analyse von Liliths tatsächlichen Horoskop vorlesen. Er lehnt aus Zeitmangel unwirsch ab und kommandiert Lilith zum Brötchenschmieren zum Planetenball ab. Das große Fest am Kalenderplatz. Chiron kommt per Taxi mit seinen kistenverpackten Töpferwaren. Alles sei teuer versichert. Sie solle sorgsam damit umgehen. Lilith hilft beim Auspacken, faltet die Horoskope und Zeichnungen glatt. Unterwegs greift sie sich noch ein paar Knallkörper von der Feuerwerks-Vorbereitung. Die Zettel unter dem Arm geht sie zur Küche, schmiert Wurstbrötchen. Der Skinhead-Sohn der Telefonistin im Dress eines Regierungs-Bodyguard hat gut Hunger, geht dann hinaus zur Platzrunde. Lilith stopft schnell die Horoskope und die Knallkörper von oben in die Öffnung einer Sahnetorte, die wie die Reichstagskuppel aussieht. Draußen sind die Gäste sind eingetroffen. Der Unterstaatssekretär fragt nach der Torte und beginnt die Rede. Die Chefsekretärin erscheint in der Küche und erkennt sofort, was Lilith tut. Ein Ringkampf beginnt. Da stolpert die russische Putzfrau hinein. Sie stößt „versehentlich“ die Chefsekretärin um und „verarztet“ die dann mit einem Wodka nach dem anderen. Sie schiebt dann Lilith schnell hinaus und geht auch. Der Plan ist wohl. Der Skinhead-Sohn der Telefonistin bedient sich draußen bei der Putzfrau mit Wodka. Die Torte? Sie deutet auf die Küche. Er geht hinein, kommt verstört mit Riesentorte auf Servierwagen heraus. Der Taxifahrer meckert, dass die Kerzen nicht brennen. Gemeinsam zünden die an. Abgebrannte Streichhölzer und seinen Zigarillo wirft der Taxifahrer achtlos in die Tortenöffnung. Der Bodyguard schiebt die immer heftiger qualmende Reichstags-Torte zur Platzmitte vor den Unterstaatssekretär, dessen Rede sich auf den Höhepunkt zu bewegt. Die Kuppel der Sahnetorte explodiert inmitten der Festgesellschaft, spritzt auseinander. Horoskope und Sahne fliegen durch die Menge. Ein Riesenchaos. Die Ehrengäste flüchten, stoßen filigran getöpferten Ausstellungsstücke unter lautem Krachen um. Der Taxifahrer ist entsetzt und schnappt sich schnell einen Fahrkunden. Journalisten begutachten neugierig die Horoskope. Der Unterstaatssekretär bekommt einen Herzanfall und wird von Sanitätern abtransportiert. Störnberg lässt die Kapelle spielen und Sekt ausschenken. Der Schrecken wandelt sich in Party-Stimmung. Kamerateams interviewen den Skinhead-Bodyguard, der berichtet, dass die Chefsekretärin in der Küche volltrunken unter der Torte lag. Störnberg spricht angesichts der Horoskope von Verschwörung wahnwitziger Astrologen, verspricht gnadenlose Aufklärung und übernimmt kommissarisch für den Unterstaatssekretär die Leitung des Planetenballs. Let's dance. Die Telefonistin erklärt, sie habe schon immer geahnt, dass der Unterstaatssekretär unter einer Astro-Neurose leidet. Aber dass es so schlimm sei... Der Künstler Chiron bekomme für seine wertvollen Exponate natürlich eine gebührende Entschädigung. In gewagtem Kostüm eröffnet sie mit Störnberg den Planetenball. Alle Blitzlichter sind nun auf sie gerichtet. Drei ältere, vornehme Herren schütteln Chiron die Hand und danken Lilith. Sie nimmt diese angeblichen Sternenzauberer jedoch nicht ernst.

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Kiss Off Der Abspann läuft über das Bild von Chiron, Lilith und dem kleinen Mädchen vor einem romantischen Töpferladen mit großem Werbeschild. Szenenwechsel unter weiterlaufendem Abspann. Lilith erwacht im Flugzeug, das gerade gelandet zu sein scheint. Das kleine Mädchen schnallt sich ab und steht auf, von einer Stewardess an der Hand geführt, die wie die Telefonistin aussieht. Auch die anderen Passagiere gehen. Sie haben die gleiche Gesichter wie die Computermänner, die Büroangestellten, Störnberg, der persönliche Referent, die Chefsekretärin etc. Lilith sitzt da und schaut verträumt, eine kindliche Malerei mit Sternzeichen in der Hand, nun ganz allein im leeren Flugzeug.

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Surprise Der Abspann ist nun schon fast zu Ende. Da erscheint der Flugkapitän, legt Lilith seine Hand auf die Schulter und fragt, ob er denn vorsichtig genug geflogen sei. Sie erhebt sich mit ihrem schwangeren Bauch, erzählt Träumereien und schenkt ihm eine Töpfertasse zum Geburtstag. Der Käpt'n mit Gesicht und Gestalt Chirons meint augenzwinkernd, er sei nicht abergläubisch – als Steinbock ganz bestimmt nicht!   top

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Charaktere Der Plot und die Charaktere orientieren sich an der Astrologie. So bekommt der Film eine mythologische Tiefe, die die Zuschauern schon seit vielen Jahren aus amerikanischen Spielfilmen gewöhnt sind. Handlung und Personen funktionieren aber auch ganz gut ohne Astrologie. Darauf wurde Wert gelegt. Denn nur so kann ein wirklich breites Publikum erreicht werden. Die Geschichte geht mit dem Thema Esoterik sehr leicht um, schildert es augenzwinkernd als Kulturphänomen unserer Tage. Und sie verzichtet ganz bewusst auf Nazis, die Russenmafia, StaSi, Kriminalkommissare und Serienmörder, da dies heutzutage überstrapazierte Klischees sind. Und es ist kein Kumpelfilm, denn nicht coole BND-Beamten lösen den Fall, sondern ganz normale Frauen. Aber die sind keineswegs solidarisch oder sonstwie über emanzipiert, sondern ganz menschlich.

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No loose ends Es wurde sehr auf die innere Logik der Geschichte geachtet. Auch lösen sich alle Subplots auf. Um der dem Genre „Romantic Comedy“ inhärenten Vorhersehbarkeit entgegenzuwirken, werden allerletzte lose Enden erst im Surprise, also nach dem Kiss Off zusammengefügt.

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Unterschiedliche Paare Lilith und Chiron sind jeder auf seine Weise gesellschaftliche Außenseiter. Die Logline ihrer West-Ost-Liebesgeschichte lautet: Unbedarftes Mädchen emanzipiert sich und kämpft für sanften Lover. Die Telefonistin und Störnberg stehen beide mitten der Gesellschaft. Die Logline ihrer Ost-West-Liebesgeschichte lautet: Erfahrenes Weib bringt sich gekonnt bei Macho unter die Haube. Die Chefsekretärin und der Unterstaatssekretär zeigen ein überlebtes Beziehungsmodell. Ihre Logline lautet: Ältere Frau opferte alles für ihren Herrn und mit seinem Scheitern geht auch sie zu Grunde. Die Putzfrau und der Buchhändler sind Individualisten, die ihren Platz im Leben gefunden haben. Jeder von ihnen gibt's auf seine Weise Lebenserfahrungen an andere Menschen. Lilith und Chiron in der Rahmenhandlung außerhalb des Traumes sind ein ganz konventionelles Ehepaar. Der arbeitet Mann als Flugkapitän arbeitet. Die Frau trägt gerade ihr gemeinsames Kind aus und leidet bei den Freiflügen in letzter Zeit gelegentlich unter Albträumen. Lilith, die Protagonistin (Dunkelhaariger Typ wie Christine Paul oder Meret Becker. Aus einem Interview mit letzterer: Sie mögen gesiezt werden, sind Sie altmodisch? Veränderungen kann ich schwer ertragen, denn ich lebe aus der Erinnerung heraus. Werden Sie dann sauer? Ja, und dann wird es allerdings richtig unschick. lacht) Eine mädchenhafte, junge Frau aus einer schläfrigen Ecke Bonns, die als Nachzüglerin ins Wirtschaftsministerium nach Berlin umzieht. Sanft und schüchtern, mit braunem Haar und naivem Kleinstadt-Outfit, biete sie die ideale Zielscheibe für kollektive Schikanen, neudeutsch Mobbing genannt. Ihre Eltern sind kleine Leute, die nie ins Bild treten und ihr keinen realen Schutz bieten. Und das will sie auch gar nicht. Endlich weg vom heimischen Mief! Der Umzug in die pulsierende Großstadt verspricht mehr Geld, Spaß und Abwechslung. Auf keinen Fall will sie zurück. Und so muss sie lernen, Ellenbogen zu gebrauchen, sich vom Opfer zum Täter zu wandeln. In astrologischer Terminologie entspricht dies dem Lilith-Mythos des Schwarzen Mondes, der in den letzten Jahren in die moderne Horoskopdeutung eingeführt wurde, Synonym für urweibliche Kräfte. Die alten Erzählungen sprechen von der ersten Frau Adams, die weder Mann noch Gottvater dienen wollte, verstoßen wurde und fortan als Outlaw durch die Gegend geistert. Erst als die moderne Lilith aus Bonn etwas von diesem Archetyp in sich entdeckt, kann sie all denen im Sündenbabel Berlin effektiv Paroli bieten. Chiron, der Mentor (Ein Typ wie damals Bruno Ganz in "Der amerikanische Freund" oder damals Rüdiger Vogler "Im Lauf der Zeit" oder Götz George damals als "Schimanski". Damals halt...) Ein Mann in seinen besten Jahren, gut aussehend und noch relativ jung, aber alt genug, um damals zu Mauerzeiten einen Ausreiseantrag gestellt zu haben. Er packte die Kisten und bleibt bis heute auf ihnen sitzen. Chiron ist vom Handwerk her Töpfer, aber eigentlich ein Intellektueller und Philosoph. Dass sich dieses junge Mädchen in ihn verliebt, erträgt er genauso gelassen wie den Umstand, dass sie ihn kurz danach wegen eines anderen verlässt, schwanger zurückkommt und zudem seine wertvollsten Töpferwaren aus den Kisten benutzt, um ihr finales Feuerwerk zu entfachen. Nach astrologischer Terminologie gehört zu ihm der Planetoiden-Mythos Chiron mit der Charakteristik des hilflosen Helfers und verwundeten Heilers, wie er im den letzten Jahrzehnten von der westlichen Horoskopdeutung aufgenommen wurde, zeitgleich zur Lilith-Horoskopdeutung. Im alten Griechenland war dieser Kentaur halb göttlich und halb irdisch. Er opferte seine Unsterblichkeit dem Prometheus, welcher den Menschen das göttliche Feuer brachte und zur Strafe von den Göttern an den Tartarus geschmiedet wurde. Prometheus machte der Tausch frei. Chiron konnte endlich sterben, musste seine Schmerzen nicht mehr ertragen und kam als Sternbild Orion in den Götterhimmel. Telefonistin - sowohl Mentorin als auch Antagonistin (Ein natürlich blonder Typ wie Heike Makatsch oder natürlich auch als Traumbesetzung Verona Feldbuch, wenn letztere nicht nur bezahlbar wäre, sondern auch willig, für den Dreh ihr Haar blond zu färben bzw. eine Perücke zu tragen.) Vollkommen uninteressant, ob sie aus Ost- oder Westberlin kommt und ihr Opfer Störnberg aus Ost- oder Westdeutschland. Sie und der Stör sind ganz normale Menschen, die in allen Gesellschaftssystemen und Kulturen durch Bodenständigkeit überleben können. Als Alleinerziehende will sie für ihre Brut sorgen und auch selbst noch etwas Spaß am Leben haben. Ihre Arbeit in der Astroline einer Telefongesellschaft ist ihr egal. Astrologie kann wahr oder falsch sein. Das Leben ist auf jeden Fall noch ganz anders. Wenn das Horoskop einem helfen kann, obiges (siehe) zu erreichen: OK. Das erste Mal hilft sie Lilith wegen des Geldes und weil es ihr Spaß macht: Mentorin. Aber jeder Single muss zuerst und zuletzt an sich selber denken: Antagonist. Der Erfolg dieses Films hängt sehr von der Rollenbesetzung Lilith versus Telefonistin ab, von deren Kampf um die Zuschauergunst. Nach astrologischer Terminologie korrespondiert die Telefonistin mit dem Planeten Merkur. Der altgriechische Gott der Händler und Diebe ist neutral, ohne wirkliche Gefühle. Das ist seine Stärke. Störnberg - weder Mentor noch Antagonist (Ein keineswegs so schöner, eleganter und sympathischer Fleischkloß wie "Ein Bulle aus Tölz", denn sonst nimmt er Chiron Sympathiepunkte. Aber die Leute sollten den Dickwanst schon lieben!) Wir wissen nicht, warum dieser Kerl dort im Ministerium ist. Aber es wundert uns auch nicht. Solche Typen finden sich in allen Ländern der Welt, zu jeder Zeit in jedem System. Fett schwimmt immer oben. Störnberg ist korrupt, ohne Rückgrat. Doch wir kommen nicht umhin, ihn zu mögen. Nach astrologischer Terminologie korrespondiert er mit dem Planeten Jupiter. In alten Zeiten bestieg er den Thron des Olymp, stürzte seinen Vater Saturn. Er war kein großer Krieger, schaffte das nur mit Hilfe seiner Mutter Rhea und aller Geschwister einschließlich des jähzornigen Mars. Chefsekretärin - Antagonistin Ihre definitiv besten Jahre gab sie her für ihre perfekte und absolut disziplinierte Rolle im Büro des Unterstaatssekretärs. Eine Frau jenseits der besten Jahre, die so viel gegeben hat, stellt Ansprüche an ihre Untergebenen. Ihr perfektes Ordnungssystem könnte in tausend Stücke zerfallen, wenn sie eines Tages in verdienten Ruhestand geht, ohne rechtzeitig eine willige Nachfolgerin heranzuzüchten. Aber wenn die verrückte Neue ungeeignet ist, droht schon jetzt die Anarchie. Nach astrologischer Terminologie ist sie an der Analogiekette Saturns ausgerichtet. Das dazugehörige Zeichen Steinbock kann auf dem Weg zu den höchsten Berggipfeln leicht ausrutschen und sich für alle Zeiten die Knochen brechen. Unterstaatssekretär - Antagonist (Ein Typ wie Otto Sander mit seiner rauchigen Stimme. Aber auch: Harald Schmidt, wenn der sich auf ziemlich alt und verbraucht schminken ließe.) Er ist der große Mann im Hintergrund, im Vollbesitz von Macht und Kontrolle. Er weiß, wie man subtil Druck ausübt, hat Kontakte zur Finanzwelt. Große Zeiten brauchen große Männer, Führungskräfte. Sein einziger Schwachpunkt ist die Eigenblindheit. Und Machtverlust führt zur Implosion. Nach astrologischer Terminologie symbolisiert er den Planeten Pluto. Assoziationen mit dem Wort Plutokratie sind nicht zufällig. Es geht um Festhalten und Loslassen, Macht und Ohnmacht. Russische Putzfrau - Mentorin (Gibt es Lotti Huber eigentlich noch? Aber auch: Katharina Thalbach.) Sie spiegelt Liliths gebrochenes Herz und unterstützt die keimende Kraft weiblicher Rachegefühle. In astrologischer Terminologie symbolisiert sie den Mond in der entwickelten, bewussten Form. Und als chironische Mentorin versteht sie Rachsucht, entwickelt mütterlichen Beschützerinstinkt. Okkultistischer Buchhändler - Mentor (Ein Typ wie Rolf Hoppe ja warum nicht genau der? Schließlich spielte er den Zeus in "Die Fledermaus", dem einzigen 35-mm-Film der DEFA!) Auch er reflektiert die Aktivitäten der Protagonistin und den Wunsch Liliths, einen Sinn im Leben durch die Kraft des Intellekts zu finden. Auch er ist eine positive Mond-Figur. Zudem verhält es sich höchst chironisch in der Rolle des Weisen, erklärt zudem den Mythos der rachsüchtigen Lilith. Büroangestellte - Antagonisten Ohne den Mob gibt es kein Mobbing. Solche Leute fühlen sich nur innerhalb der Gruppe stark. Nach astrologischer Terminologie symbolisieren sie den Mond, unbewusste kollektive Emotionen. Computermänner - Unfreiwillige Erfüllungsgehilfen Für diese uranischen Programmier-Genies vor dem Bildschirm existiert die Liebesgöttin Venus nur virtuell am Bildschirm. Und genau das ist ihr schwacher Punkt. So kann frau sie überlisten. Drei ältere, vornehme Herren - Beobachter und Mentoren im Hintergrund Ihre Gesichter treten nie ganz aus dem Schatten heraus. Sie arbeiten vermutlich in Führungsgremien der Europäischen Zentralbank, benutzen Astrologie als Instrument, um den Euro-Währungskurs gegenüber Attacken von außen zu schützen. Sie sind natürlich auch Sternenzauber, genau wie ihre Kontrahenten, die Clique um den Unterstaatssekretär im Ministerium. Nach astrologischer Terminologie symbolisieren die drei älteren Herren den Planeten Neptun. Es sind Mystiker, die selbst möglichst nicht in das kosmische Spiel eingreifen möchten, gleich den Zeremonienmeistern in Hermann Hesses Glasperlenspiel. Denn jeder Ordnung trägt die Lösung in sich und ist empfindlich gegen fremde Übergriffe. Auch möchten sie selbst nicht als Handelnde auftreten, um nicht als Handelnde erkennt zu werden. Mit diesen Figuren wird ganz leicht das Thema „Verschwörung“ angedeutet, wie es aus der Fantasy-Literatur unter dem Stichwort Illuminaten bekannt ist. Dieser Handlungsfaden soll offen bleiben, um der Geschichte Weite zu geben. Taxifahrer - Höllenwächter (Ein Typ wie Rolf Zacher mit ätzend schockierender Berliner Schnauze.) Hauptsache, es passiert etwas. Mars steht astrologisch für Energie, richtungslos in Bewegung.

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Locations Die Geschichte spielt in des Straßen von Berlin und in den Innenräumen neu gebauter Ministerien Berlins, was ganz einfache Büroräume sind, reproduzierbar in jeden anderen Bürogebäude oder im Studio selbst. Von den Originalschauplätzen sind nur Außenansichten erforderlich. Die hält die Produktionskosten klein. Es gibt große Sequenzen auf dem Bonner und Berliner Flugplatz, und da sind auch Aufnahmen in der Maschine während des Fluges. Aber die Flugplätze werden nur von außen gezeigt. Und was das Flugzeug selbst betrifft: Ca. 90 Kilometer westlich von Berlin gibt es hierzu die perfekte Location mit original erhaltener Inneneinrichtung - auf einem Acker. Die lange Sequenz auf dem „Kalenderplatz“ kann auf dem Gelände der ehemaligen BUGA in Berlin-Britz gedreht werden. Das Solar-Café ist sehr modern, gerade einmal 12 Jahre alt. Als der Autor dieser Zeilen jüngst dort eine kleine Komparsenrolle für eine TV-Serie mimte, konnte er sich vor Ort nochmals davon überzeugen, wie ideal der Drehort für die Produktion von „Sternenzauber“ ist. Die Parkverwaltung gilt als kooperativ in diesen Dingen. Bereits mehrmals wurde auch in anderen Teilen des Parks gedreht.

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6. Skriptentwicklung

Die Idee für den Film kam im Herbst 1998, nach einem Jahrzehnt der Arbeit an verschiedenen Medienprojekten zur Kunst der Sterne: Experimentalvideos, Computersoftware, Radio- und Fernsehsendungen, Horoskoptexte für SMS und Astrolines, Fachartikel zur Astrologie und Filmrezensionen sowie historische Bücher und Museumsausstellungen. Hier ein paar Internetlinks zu den wichtigsten Themen:

Bei meiner Museumsausstellung und Buchpräsentation im Faust-Museum bei Heilbronn lernte ich den Münchner Thomas Thaw kennen, der mich immer wieder zum ermutigte, Schauspieler und Ausstattungen vermittelte, letztendlich bei den Dreharbeiten am Set vor und hinter der Kamera dabei wurde. Im ersten Treatment kombinierte die historischen Themen aus meinen Büchern und Ausstellungen mit einer einer Liebesgeschichte im wiedervereinigten Berlin. Die beiden Protagonisten entwickelte ich aus Archetypen der Mythologie, die Ende des 20sten Jahrhunderts Eingang in die moderne Astrologie gefunden hatten, als Lilith, den Schwarzen Mond, und Chiron, ein Planetoid, wandernd zwischen den Umlaufbahnen von Saturn und Uranus. Im Kontakt mit Filmuniversitäten und auf Drehbuchkursen an der Henry-Nannen-Schule und Filmhaus Hamburg merkte ich schnell, wie wertlos aus der Sicht heutiger Drehbuchautoren historischen Wissen und Bildung ist. Deren erklärtes Ideal ist es, die simplen Psychen neurotischer Teenager in trivialen Vorabendserien zu treffen. Und dann war da noch die für die deutsche Medienwelt (im Gegensatz zur amerikanischen) so typische Abneigung gegen Esoterik jeglicher Art, die nicht auf der Linie der Amtskirchen und deren Vertreten in den Rundfunkräten genehm ist. Wolfgang Huby klärte mich mit seinem brutal-desillusionirenden Charme über Chancenlosigkeit und Ideenklau beim Drehbuchschreiben auf. Ich schütze mein Drehbuch doppelt, durch Registrierung bei der Writer's guild und Hinterlegung bei einem Notar. 

Mut und positive Feedbacks ab es lediglich von einem britischen Drehbuchagenten bei einem Seminar der Master Scool des Filmboard Berlin-Brandenburg in Potsdam und dann in England bei meinem damaligen Berufsverband, der Astrologers Association of Great Britain. Und Helene Schnitzer aus Amsterdam wies mich auf Alessandro Jodorowskis "Montana Sacra - The Holy Mountain" hin, der Vorläufer der Starwars-Trilogie, eine radikal politisierte Monumentalfilmproduktion der 70er Jahren, wohl immer noch wegweisend. Im Laufe der nächsten Jahren sendete ich das Drehbuch an diverse Produktionsfirmen. TV-Sender, Regisseure etc., u.a. an Winfried S. Noé, der schließlich und endlich selbst als Darsteller auftrat, als ich mich entschieden hatte, den Film unter eigener Regie zu produzieren.

In der astrologischen Fachliteratur, auf Kongressen der Schweiz und England, bei Berufskollegen in der Schweiz und bei einem Astrodrama-Workshop in Griechenland erforschte ich die mythologischen Hintergründe von Lilith und Chiron aus der dionysischen Antike, fand Verbindungen Verbindungen zu Jungscher Psychologie und den Patriarchats- bzw. Matriarchats-Forschungen Ernest Bornemanns und den Arbeiten des Historikers von Nick Campion in Bristol. Dies Arbeiten sowie Forschungen zum Römischen Pantheon wurden dann mit Prof. Stemmer von Archäologischen Institut der FU Berlin diskutiert und flossen ein in eine Museumsausstellung, die ich unter seiner Leitung konzipierte.

Gleichzeitig war mir völlig klar, dass ein abendfüllender Spielfilm nur dann funktionieren konnte, wenn der Entertainmententfaktor für ein breites, jugendlichen Publikum zwischen 17 und 25 möglichst groß ist. Also konzentrierte ich mich für die weitere Plotentwicklung auf die Liebensgeschichte und ließ ab Herbst 99 bei einer nun endlich gefundenen Drehbuchgruppe unter Leitung des Regisseurs Wolfgang Pfeiffer das Astrologische vollkommen im Hintergrund. Zwei Jahre lang besuchte ich mehrere Drehbuchgruppen und Kongresse u.a. bei Sid Field und Jurgen Wolf, fand in der Fachliteratur meine Heimat bei Rüdiger Vogeler, Robert McKee und David Mamet, nahm als Komparse und Kleindarsteller an diversen TV-Sendungen und amerikanischen Spielfilmen teil, beteiligte mich bei der Organisation von Filmfestivals, schrieb zur Übung Treatments zu anderen Filmen. Das Typische der Ost-West-Thematik von Lilith und Chiron entwickelte ich mit Astrid Kantwerk und Linda Krause aus jenem fernen Land, von den ich als Westberliner stets umgeben war. Vorbild für Chirons Habitus und die Ausstattung seiner Wohnung durch Stephan Butt wurde der Philosoph aus "Solo Sunny", nachdem ich einer Aufführung und Kommentierung des Films durch den Drehbuchautor und Co-Regisseur Wolfgang Kohlhase beiwohnte. Ab 2000 besuchte ich Drehbuchlesungen (unter anderem Herbert Reineckers letzte, wohl beste und folglich nie produzierte Derrick-Folge) und die kommentierte Filmpräsentationen von Clara-Maria Schellhoss, die ihre Erfahrungen sowohl bei der Drehbuchentwicklung als auch bei der Postproductions in den Film einbrachte, der ich als erste ein VHS-Tape des Final Cut übergab.

Zu meinen Fingerübungen fürs Drehbuchschreiben gehörte eine erste Romanfassung des Films, die 12 Frauen zum Lesen bekamen. Und ich schrieb das Kurzfilm-Skript "Urban Tantra Yogini" für Andros Produktionsfirma Tao-Film. Plötzlich gab es weder Kamera, noch Team oder Schauspieler, und die Sache bleib bei mir hängen. Der Dreh war meine Feuertaufe zum Regisseur und Produzenten. Danach hatte ich ein kleines Team, gewann einen noch kleineren Preis auf einem finnischen Festival, und plante bei Akron in der Schweiz das Kurzfilmprojekt "Der Magus, Beherrscher des Chaos". Doris, ein Jahr später dann Hauptdarstellerin beim "Projekt Zwölf Sterne", legte sich für 40 Seiten Storyboard mächtig ins Zeug. Die Sache wurde abgeblasen, und da stand ich nun mit der Kamera! Aus Trotz gründete ich ArsAstrologica Filmproductions, drehte einen Promospot, Filme für den Offenen Kanal und suchte nach Drehbüchern, wollte was auch immer verfilmen - aber bloß nicht mein eigenes Drehbuch "Sternenzauber".

Inzwischen hatte eine Sound- und Videodesign-Ausbildung begonnen: Mobbing aus der Chefetage, Netzwerk-Gewaltspiele statt solider Ausbildung und totale Verachtung für Film als Kunstform. Das konnte nicht gut gehen. Ich trat die Flucht nach vorne an, wechselte für 3D-Animationen und DVD-Produktion nach Wien und quartierte mich bei meiner heiß und hitzigst geliebten Lilith-Muse Lisl in Wiener Neustadt einquartieren, was natürlich schiefgehen  musste! Mein Wien-Abenteuer endete mit dem finanziellen Ruin und einem doppelten Rausschmiss. Doch dort im 18. Bezirk, bei der Astrologin Georgia Dollereder, die täglich an einem riesigen Filmplakat für mein Projekt arbeitete, direkt gegenüber dem Café Wilder Mann, lektorierte Petra Schwarz die ersten Seiten des Romanentwurfs, wurde ich als Journalist für MerCur bei der Viennale akkreditiert, interviewte ich Andreas Dresen zu "Halbe Treppe". Verdammt noch mal: Die einzige Vorgabe seines improvisierten Films war der Radioastrologe in Frankfurt/Oder. Und ausgerechnet ich hatte ihm zwei Jahre zuvor von meinem Drehbuch erzählt, und meinem Job als erster Astrologe in eben jener Stadt. Die Zeit war überreif. Ich musste handeln, bevor meine Ideen noch woanders auf fruchtbaren Boden fallen würden. 

Zurück in Berlin fand ich binnen zwei Wochen eine neue Videoschule, fand mich eine neue Muse, die die besten Drehorte und den besten Filmmusiker organisierte, trommelte ich bis zum Jahresende ein komplettes Team und Schauspieler zusammen, überarbeitet das Drehbuch. 

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7. Dreharbeiten

Unterstützung bei der Produktion eines abendfüllenden Spielfilms fand ich auch an der neuen Videoschule nicht. Wie üblich Mobbing, Anpassungsdruck und absolut keine Interesse an digitalen Spielfilmen. Gespräche mit dem Filmboard Berlin-Brandenburg um Unterstützung bleiben ebenso ergebnislos wie die vielen Versuche, bekannte Schauspieler in unseren No-Budget-Film einzubinden. Im Gegenteil: Ein wirklich gut situierter Filmstar aus Ostdeutschland, der schon seine Zusage gegeben hatte, stellte in letzter Minute plötzlich Geldforderungen. Es gehörte zur Strategie der Filmproduktion, nie auf dramaturgische, finanzielle oder sonstige Erpressungen einzugehen. 

Das Drehbuch wurde in den folgenden Monaten stets auf die sich ständig verändernder Produktionsbedingungen angepasst. Die Krise als Chance. Brach ein Produktsponsor weg, so fand sich schnell ein neuer. Versperrte man uns Locations, so wurde buchstäblich in letzter Minute neue gefunden. Wurden junge, unerfahrene Kameraleute größenwahnsinnig und zogen die Aufmerksamkeit ganz auf sich (was oft geschah), so wurden totale Laien, die jedoch Teamfähigkeit bewiesen, eingesetzt. Beispiel hierfür ist Vincent Chmiel, der als Kabelträger für den Tonmann anfing und durch seine unglaubliche Teamfähigkeit mit der Zeit zum Chefkameramann aufstieg, fast den ganzen Film hindurch dabei war, bin hin zum Start der Postproduction. Es gibt noch viele weitere Beispiele von wirklich talentierten Frauen und Männer, die als talentierte Laien in den Film einstiegen und im Laufe des Produktionsprozesses unglaubliche Talente entwickelten. We are learning on the job. Aus dem Manko der gescheiterten Suche nach einem professioneller Kameramann, der das Drehbuch nach den visuellen und dramaturgischen Vorstellungen des Regisseurs genuin umsetzt, entwickelte sich eine ganz spezielle bildliche Erzählform: Jede Sequenz  des Films hat ihren eigenen, in sich geschlossenen Stil, entwickelt von den jeweils direkt Beteiligten. 

Es war mein erklärtes Ziel, mich von niemanden erpressen zu lassen und keinerlei geheime Nebenabsprachen einzugehen. Zur Finanzierung habe ich restlos alle Ersparnisse geplündert, extrem sparsam gelebt, meine Lebensversicherung aufgelöst, während der Postproduction zur Überleben noch Auto und Klavier verkauft. So ließ sich das alles bezahlen. Es gab eine klare Tagessatz-Regelung für Rückstellungsverträge: EUR 50,- für Sethelfer/Komparsen, EUR 100,- professionelle Teammitglieder, EUR 250,- für Schauspieler. Für ein neu komponiertes Stück gab es pauschal EUR 1.000,- für den oder die beteiligten Musiker. Unkosten für Telefon, An- und Abreise, Catering und Materialien erstattete ich sofort. Keine Ausnahmeregelung, keinerlei Bevorzugung. Der Film war und blieb der alleinige Star. Sonst niemand. Ich legte stets alle Finanzen und Drehpläne offen, förderte wo auch immer möglich die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Diese Transparenz sollte Vertrauen schaffen, Teams zusammenschmieden, einen großen Ideenpool schaffen. So entstanden großartige Bilder und Szenen, die so nie geplant waren, 

Eine weiterer eiserner Grundsatz war das strickte Einhalten von Drehplänen. Kein Nachdreh, kein Überziehen, kein Verschieben: 46 Drehtage, verteilt auf die Monate Januar, März, April, Mai, Juni, Juli, August 2003 sowie Januar und Februar 2004 mit Beteiligten aus Berlin, München, Dresden und Drehorten in Berlin, München und Franfurt/Main Dies ging nur durch permanente Kommunikation, dauernde Veränderung von Details und fortwährende Rekrutierung neuer Teammitglieder und Schauspieler. Viele der Mitwirkenden konnten auf Dauer diesem Stress nicht standhalten, mussten ersetzt werden. Durch den Wegfall von Schauspielern nach mehreren Monaten der Dreharbeiten wusste die mehrmals das Drehbuch vollkommen umgeschrieben werden. Neue Rollen wurden eingeführt. 

Die Krise als Chance: Mitten in die Dreharbeiten hinein als Ersatz für ausgefallene Hauptdarsteller kamen Cara Fiedrich, Steffen Böye und Judith Seither. Sie waren wie viele andere Neueinsteiger stets ein großer Gewinn. Ein Künstler muss die Bereitschaft haben, sein Werk zu zerbrechen, um es weiterzuentwickeln. Work in progress. Jeder, der am Film beteiligt war, setzte neue Impulse. Meine einzige Funktion bestand im erbarmungslosen Voranpeitschen dieses Prozesses, im Zusammenhalten und stetigen Neuintegrieren des Erreichen. 

Natürlich gab es auch viele, die den ganzen Prozesse des Filmschaffens durchgehalten haben. Stellvertretend für viele möchte ich hier Fred Schmidt nennen. Es ist wohl für jeden angehenden Regisseur ein Genuss, mit einem erfahrenen Vollblutschauspieler arbeiten zu können, der charismatisch und dennoch uneitel ist, drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung und eine schier unglaubliche Spielfreude einbringt,  mich trotzt allem niemals in meiner Position verunsichert. Die wenigsten begreifen, dass ein Regisseur, gerade wenn er zugleich auch die Rolle des Produzenten ausfüllen muss, nicht nur nach außen, sondern auch nach innen schauen muss. Die Vision des Films, die innere Zwiesprache mit der wichtigsten Person des Film, die am Set stets unsichtbar bleibt, ist ein ungeheurer Kraftakt, wenn es zugleich darum geht, nach Außen hin die Meute zusammenzuhalten. War Fred am Set, dann schaute ich nicht mehr alleine in die Nebelwand. Obwohl wir nie darüber geredet haben, bin ich mir ganz sicher: Auch er kann sie sehen, diese mit keiner Kamera und keinem Scheinwerfer erkennbare Figur, die doch stets anwesend sein muss, wenn ein Film ein Film sein will: Dein Zuschauer. 

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8. Postproduction

Im Grunde begann die Postproduction kurz nach den ersten Dreharbeiten im Februar 2003. Gegen alle Regeln wurde bereits nach den ersten Dreharbeiten ein einstündiges Demotape mit den besten Aufnahmen, erster Filmmusik plus Trailer geschnitten und alle Beteiligten ausgegeben. Es ging auch hier darum, die sonst übliche Grenze zwischen Technikern und Schauspielern, zwischen Produktion und Postproduktion zu durchbrechen. Es gilt allgemein im Film als Tabu, Rohfassungen hinauszugeben, Schwächen zu zeigen, Zweifel zuzulassen. Andererseits wollte ich der Vision des Film in seinem jeweiligen Entstehungsprozess möglichst viel Raum geben. Natürlich öffnete ich sogleich Raum für destruktive Kritik jeglicher Art. Finanziell und produktionstechnisch nicht einlösbare Ansprüche prasselte auf mich herab. Hier musste gefiltert werden. Letztendlich waren die Demotapes der insgesamt sieben Drehstaffeln für die am Produktionsprozess beteiligten äußerst wertvoll. Eine der Staffeln zeigte ich sogar in einer internen Preview im Kino auf großer Leinwand. So konnten viele mögliche Varianten des Schnitt, der digitalen Aufbereitung, 3D-Animation,  Soundgestaltung  und Dramaturgie getestet, verworfen, neu entwickelt etc. werden. 

Vier Jahre lang hatte ich intensivst deutschlandweit nach einem Regisseur und Produzenten gesucht. In diese Rolle würde ich letztendlich durch die Umstände hineingedrängt. Besonderer Dank gilt hier Doris Schmidt, die eines Tages erbost von München zu mir nach Wien telefonierte (als ich gerade vollkommen pleite und am Boden zerstört war) und empört darauf insistierte, dass sie wie versprochen die Hauptdarstellerin des Films bleibe. Sie war der geistige Motor der Produktion, sie füllte am Set durch ihre Präsenz stets die Rolle der Hauptdarstellerin aus, verfügt über eine Leidensfähigkeit, die auch Fassbinder imponiert hätte, und spielt die Rolle der hausbackenen Lilith mit einer schrägen Ironie, grandios ist. Doris wollte mich als Regisseur. Alles andere ergab dann von selbst. 

Genauso hatte ich während der Hauptdreharbeiten vom Januar bis August 03 ständig nach Cuttern gesucht. Nie wollte ich den Film selbst schneiden. Von Mitte August bis Mitte Oktober investierte ich viel Geld und Zeit in die Unterstützung und Vernetzung von 5 Cuttern, die sich an den Projekt beteiligen wollten, stellte mich dramaturgisch vollkommen zurück. Und dann gab es noch diese Cutterschule, die den Film als Projektarbeit unter 20 Schülern aufteilen könnten. Udo Moll, einer der Hauptdarsteller und zugleich Co-Regisseur, unterstützte den Kontakt mit fast täglichen Botengängen und Seelenmassage für die Computerarbeitern. Genau wie während der Dreharbeiten gab es auch hier im üblichen 2-Monats-Rhythmus ein Fiasko: Der Schulleiter verunglückte bei einem Unfall tödlich. Die Schule wurde geschlossen. Den Cuttern ging Lust und Laune aus. Mein binnen zwei Wochen in 48-Stunden-Schichten zusammengeschusterter, zweistündiger Rohschnitt wurde auf Festivals nicht angenommen.

Musik? Gleich zu Beginn der Dreharbeiten war die Tonregie exklusiv an jemanden übergeben worden, der den Kontakt zu einer Band herstellte, die über alle Dreharbeiten informiert wurde, bei denen wir auch filmten. Doch während der Dreharbeiten sprang dieser jemand ab, die Band hielt mich hin und löste sich schließlich in Arroganz auf. Zwei andere Musiker blieben dabei. Direkt während des anfänglichen Fiaskos der Postproduction kam Ende September mit Matthias Cäsar ein ambitionierte, dynamischer Musiker hinzu, der eine ganz neue Reihe von Soundtracks komponierte und Phase der Neukomposition einer ganzen Reihe von Musikern einleitete, die über die weiteren sechs Monate ständig an Intensität gewann: deus ex machina.

Die Krise als Chance: Anfang November gab es wiederum ein internes Screening mit Teammitgliedern und Schauspielern. Viele Verbesserungsvorschläge, Zusammenschnitt von 120 auf 90 Minuten, Umstellung des Drehbuchs unter Verwendung des bestehenden Materials etc. Eigentlich für mich eine beneidenswerte Position: Welcher Regisseur verfügt schon über einen engagierten Pool von 12 durcheinanderredenden Künstlern, die vor Ideen nur so sprudeln und stundenlang ihr bestes geben, um einen Film zum Film zu machen? Gerade in der langwierigen Phase der Postproduction zeigte sich die Solidität des Teamskonzepts: Der Film als Star, als Sammelbecken vieler Ideen und vieler Kräfte.  

Mitte Dezember das nächste interne Screening, diesmal in noch größerem Rahmen. Aus dem Material war das beste herausgeholt worden, doch das reichte nicht. Irgendetwas fehlte der Story. Und das ließt sich nur durch Nachdrehs und größere Eingriffe in die Plotstruktur bewerkstelligen. Körperlich und finanziell war ich am Ende meiner Kräfte. Doch es war klar, dass es sein musste. Zudem waren die englischen Untertitel unzureichend übersetzt worden, ohne Native Speaker. Für eine feinere Farbabstimmung musste das ganze Projekt auf Premiere Pro konvertiert werden. Der Datenumfang betrug 250 Gigabite, inklusive Backup also ein halbes Terrabite. 65 Stunden Digitalfilm Und ohne Nachdrehs noch kein Land in Sicht. Auch waren die Grenzen der Rauschfilterung durch die Audition-Software erreicht. Gut die Hälfte des Film brauchte ein Nachsynchronisierung. 

Nochmals, ein letztes Mal die Krise als Chance: Mit der Nachsynchronisaton konnten zugleich Dialoge bereits gedrehter Szenen verändert werden. Die Story konnte sich verändern. Im Januar und Februar 2004 drehten wir in Berlin und Frankfurt/Main. Unter minimalsten Aufwand wurden einige der schönsten Szenen des Film gedreht. Die Dialoggestaltung konnte ich inzwischen ganz den Schauspielern und ihrer stummen Kommunikation mit den Technikern hinter der Kamera und hinter dem Mikrofon überlassen. Dramaturgisch hatte ich als Regisseur mein Ziel erreicht: Eine Hyperspannung. Große Wachheit. Der stumme Dialog aller am Set Anwesenden über die Kamera hinweg, hin und her. Respekt vor dem Zuschauer. Im März wurde nochmals eine Fassung erstellt, die unter Einbeziehung der neuen Szenen unter 90 Minuten lag. Dann wieder einige interne Test-Screening. Es hat sich gelohnt. Der Plot funktioniert jetzt. Im April dann die Feinabstimmung der Soundkollagen mit Wölfi Wolf. und die Native-Speaker-Version der englischen Untertitelung. Immer feinere Farbabstimmungen. Nacharbeiten an den 3D-Animationen. Anfang Mai dann mit "Shut down all Computers" eine allerletzte Insert-Szene, Vorbereitung aller Festival-Anmeldungen, Produktion des allerletzten Trailers, der Festival-VHS mit Untertiteln in 4:3 Letterbox  und der DVD mit Michael Lauka, der in den Monaten der Postproduction den kompletten technischen Support übernommen hat. Ende Mai ging das alles dann an eine ganze Reihe von Festivals. Ich kann wirklich nicht sagen, ob der Film auf Festivals Erfolg hat, von TV-Sendern gekauft wird, er auf 35mm aufgeblasen einen Verleiher findet oder die Filmrechte für ein Remake aufgekauft werden. Mit Sicherheit sagen kann ich jedoch, dass wir alle unser bestes gegeben haben.

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9. Dramaturgische Hintergründe

Lilith und Chiron

Diese beiden Deutungsfaktoren entstanden in der Westlichen Astrologie Mitte der 80er Jahre und etablierte sich bis zum Jahrtausendwechsel. Meines Erachtens kann Esoterik, auch und gerade wenn sie im New Age der Postmoderne gebraucht wird, nie unabhängig von soziologischen Kontext betrachtet werden. Ja mehr noch: Gerade hier liegt der blinde Fleck, das kollektive Unbewusste, die besonders in der Alternativkultur meist völlig unhinterfragte Kulturneurose. Feminismus und soziales Engagement halte ich für die stärksten Strömungen dieser Zeit. Wenn ich den astrologischen Plot aus der Historie heraus in die Jetztzeit transportieren wollte, musste ich auf genau diesen Mythos zurückgreifen.

Es liegt nahe, Lilith als Ausdruck der radikalen Frauenbewegung und Chiron als maskulinen Gegenpol des hilflosen Helfers zu betrachten. Verbindungen des altjüdischen Lilith- und des altgriechischen Chiron-Mythos sind wenig erforscht. Angelehnt an C. G. Jungs Archetypenlehre könnte man Lilith als den Giftstachel betrachten. Hineingebohrt in die unheilbare Wunde Chirons bringt er durch den Tod die Erlösung. Eine österreichische Astrologin (Traugott, Wettswil 1995: Lilith, Eros des Schwarzen Mondes) entwickelte diese Gedenken. Ähnliches findet sich über den Hekate-Mythos bei einer britischen Astrologin (Reinhart, Wettswil 1999: Chiron, Heiler und Botschafter des Kosmos). Dieser Mythos ist der Hintergrund dieser scheinbar so oberflächlichen Liebesgeschichte zwischen dem spießigen Büromädchen und dem verträumten Töpfer. Sie muss ihn verraten und seine Töpfertassen müssen zerstört werden, damit er zur inneren Befreiung kommt.

Eine anderes Forschungsergebnis aus der antiken Mythologie legte mir 1999 beim Kongress der Astrologers Association of Great Britain in Plymouth eine amerikanische Astrologin (es war wohl Kelley Hunter) dar: Lilith als Tochter des Teufels vereinigte sich mit dem Sonnegott und gebar ein Kind, das Licht und Schatten sehen kann. Aus diesem Thema heraus entwickelte ich die Schwangerschaft der Film-Protagonistin, wobei es bewusst offen gelassen ist, ob Chiron oder Störnberg als Erzeuger in Frage kommen.

Die andren Figuren und ihr Archetypenhintergrund

Als Antagonisten Liliths die Chefsekretärin, eine saturnine Figur, und  der Unterstaatssekretär als plutonischer Partner: Pluto-Saturn als höchste Macht und zugleich Ohnmacht, sobald die Kompensationsebenen der Außenwelt wegfallen. Der Blowjob als Ausdruck skorpionischer Erniedrigung und zugleich Wandlungspunkt wurde ans Ende des Planetenwegs zur Pluto-Platte gelegt, als zentraler Punkt der Dramaturgie des Plots. Danach läuft Lilith die die Planten wieder rückwärts. In der ursprünglichen Plotstruktur ging ab hier auch der Lauf der Planeten rückwärts, angelehnt an den sogen. Weg der Aphrodite, eine Konstruktion des Münchner Astrologen Döbereiner. Chefsekretärin und Unterstaatssekretär repräsentieren die apollinische Antike.

Um den Plot auszubalancieren, wurde dem Blowjob das Muffdiving der Putzfrau mit ihrem subalternen Bewerber-Gehilfen zugeordnet. Die Putzfrau als Mentorin stellt den gereiften, erlösten Lilith-Mythos dar. Das Büromädchen trägt diesen Archetyp anfangs nur unerlöst in sich, beginnt als Demeter-Venus.

Störnberg, die Telefonistin, der Bewerber und die Fahrradkurierin entsprechen der androgynen Achse Zwilling-Schütze. Es sind statische Charaktere, die keine Wandlungen durchmachen wollen bzw. müssen. Unzweifelhaft ist Störnberg jovischen Gemüts, entsprechen die anderen dem Merkur, nach Jungscher Archetypenlehre auch Trickster genannt.

Das Konzept der rückwärts gerichteten Zeit, die ich einem der Euroweisen in den Mund legte, entstammt  übrigens auf Gedanken eines britischen Astrologen zurückzuführen, die er Ende der 80er Jahren auf einem Weltkongress in Zürich darlegte (Elwell, London 1987: Cosmic Loom - The New Science of Astrology).

Die Tierkreiszeichen

Ob es gelungen ist, das Schematische der Astrologie, das ihr innewohnende zirkuläre Denken mit den Forderungen an eine lineare, dreiaktige Plotstruktur in Sinne von Aristoteles zu vereinen, kann ich nicht genau sagen. Besonders in der Postproduction habe ich mich bemüht, diesen Zielkonflikt möglichst fein auszutarieren. Die Tierkreiszeichen wurde neu geordnet und die dazwischen liegenden Szenen subtil auf den Zodiak abgestimmt, bis hin zu Schnitt, Farbbearbeitung und Tonmischung. Der Vorwurf, hier ein Konstrukt geschaffen zu haben, das zwar logisch , aber nur begrenzt unterhaltsam ist, kann nicht endgültig von der Hand gewiesen werden. Der Film hat etwas von einer Varietétheater. Anlehnungen an die Astro-Revue "Sterne" im  Friedrichpalast sind nicht zufällig, sondern gewollt. Wenn einst Hollywood mein Drehbuch kauft und mit Milliardenbudget neu verfilmt, werde ich darauf bestehen, die Tierkreisszenen in diesem Berliner Revuetheater mit den gesamten Ballet zudrehen! OK, zurück zum Mini-Budget unseren Films. Gedreht wurden Szenen aus Seyfrieds Astro-Express im Ballhaus München. Auch hier war mir das Brechen allzu vordergründiger, einseitig männlicher Sternengläubigkeit wichtig. Mit der österreichischen Schauspielerin Marion Schaller hatte ich schön einmal erfolgreich Astrodrama gespielt. Ihre eigens für den Film entwickelte Inszenierung, im Berliner Theater aufgenommen, geben unserem Film Herz und Seele. 

Der Pantheon, Europa, der Euro und die Euroweisen

1996 stellte ein britischer Historiker und Astrologe (Campion, London 1994: The Great Year - Astrology, Millenarianism and History in the Western Tradition) auf dem Weltkongress der Astrologen im schweizerischen Luzern eine interessante These auf: Der Fall des eisernen Vorhangs schafft über die Europäische Union früher oder später wieder einen  wirtschaftspolitischen Raum gleich jenem des Römischen Reiches vor zwei Jahrtausenden. Gibt es in Folge dessen auch eine kulturelle oder sogar religiöse Wandlung? Die damalige Teilung in Ost- und Westrom, die Spaltung des Christentums in Papismus und Byzanthismus: Wird das in den nächsten Jahrzehnten verschwinden - wird es vielleicht sogar zu einem Europaweiten Rückgriff auf die alte Staatsreligion des Römischen Reiches kommen - auf den Glauben an die Sterne? 

Eine zugegebenermaßen gewagte, etwas abstruse These. Doch im Mai 2004, nach Abschluss meines Filmprojekts, gibt es ein politisch und wirtschaftlich vereintes Europa unter dem Signum der zwölf Sterne. In einige Woche ist die Europawahl. Gewählt werden Abgeordnete für ein Parlament ohne wirklich politische Macht, ohne eine Europäische Verfassung. Die wichtigen Entscheidungen, wie z.B. kürzlich die zwangsweise Einführung von genmanipulierten Mais europaweit, wird von Europäischen Kommissaren getroffen, deren Macht kaum parlamentarisch kontrolliert werden kann.

Zentraler Regierungsbau römische Kaiser und vermutlich zugleich zentrale Kultstätte des damaligen Sternenglaubens war der Römische Pantheon: ein Tempel für alle Sternengötter. Nach diesen Muster wurden vielfach in Europa sakrale Kultstätten aufgebaut - eigentlich eher sekularistisch, wenn man ihre Nähe zur Astrologie bedenkt. Friedrich der Große, ein bekanntermaßen mehr der Französischen Aufklärung als dem Christentum zugeneigt, zwang vor zwei Jahrhunderten die in Berlin ansässigen Katholiken, ihre neue Kathedrale nicht im klassischen katholischen Stil, sondern nach dem Vorbild des Römischen Pantheon zu erbauen. Unter der Ägide seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm II., eines stark durch rosenkreutzerische Gedanken beeinflussten Preußenkönigs, wurde in Berlin das Alte Museum erbaut, mit einer großen, an den Pantheon angelehnten und mit Tierkreiszeichen geschmückten Rotunde. Ebenfalls in Berlin errichtet Lord Norman Foster auf dem neune Reichstag eine neue Kuppel, die ebenfalls stark dem Pantheon nachempfunden ist. Ähnliche an Astronomie und zugleich Astrologie ausgerichtete Parlamentsbauten sind u.a. von Le Corbusier in errichtet worden. 

Hinter dem leicht, locker und ironisch dargebrachten Vortrag Chirons in unsrem Film verbirgt sich also eine kunstgeschichtlich-politische These. Bloß welche - und warum die Verbindung mit dem Euro? Der demokratische Einfluss der Bürger in Europa schwindet immer mehr. Dei wirklich großen Entscheidungen werden von den Global Players der Chefetagen multinationaler Konzerne getroffen. Und dort spielt heutzutage magisch-esoterisches Denken welcher Art auch immer eine in Bezug auf die Restbevölkerung überproportionale Rolle. Personalplanung nach den Regeln der Horoskopie (Wiering, Wettswil 1994: Astrologie und Beruf), Börsenbroker nach astrologischen Gesichtspunkten etc. sind nur harmlose Beispiele (Zimmel, Regensburg 1999: Esoterik und Astrologie in der Wirtschaft). Man denke an die Finanzmacht abstruser christlicher Sekten und anderer Sekten. Die europäische Gemeinschaft ist wirtschaftlich ein Riese, doch politisch ein Zwerg, angreifbar von genau solchen Interessensgruppen (Ehmcke, Frankfurt 1999: Der Euro-Coup; Janssen, Frankfurt 2001: Die Euro-Fälscher). Mein Film soll die Menschen auf eine unterhaltsame Weise für diese Gefahren sensibilisieren, den politisch mündigen mündigen Europäer ansprechen. Damit verrate oder verleugne ich keineswegs meine Vorliebe für die Astrologie. Sie stellt m.E. ein faszinierendes, weltumspannendes Kulturphänomen dar, das parallel zu den jeweils herrschenden Staatsreligionen fast überall existiert, den Menschen eine gemeinsame Sprache gibt. 

Der Alte und die Telefonistin 

Astrologie zu Beginn des 21sten Jahrhunderts zeigt sich auf zweierlei Weise. Da sind zum einen die omnipräsenten, meist sehr schlecht bezahlten Telefonberatungen, die sich ausschließlich an den vordergründigen Bedürfnissen der Anrufer orientieren, eine moderne Form der Jahrmarktsastrologie. Die Telefonistin transportiert so eben nebenbei wesentliche Inhalte des Mythologie Chirons und Liliths. Die Kluft zwischen professionellem Anspruch und Resignation in einem auf schnelles und billiges Geld ausgerichtetem Markt entspricht der Realität der moderner Beratungsindustrie. Winfried S. Noé sprang erst spät bei den Dreharbeiten ein, als Ersatz für den weisen Antiquar. Ich ließ ihm für seinen Text völlige Freiheit, kürzte später im Schnitt einzig aus filmdramaturgischen Gründen einige Passagen, um die Prägnanz seiner Darstellung zu erhöhen. Wer in professioneller psychologische Astrologie kundig ist, spürt sofort, wie wertvoll sein Beitrag ist. Die Arbeit mit ihm am Set unter schwierigsten Bedingungen war für mich als Filmregisseur äußerst angenehm. Bescheidenheit, Disziplin und völlige Hingabe an das unsichtbare Publikum zeichneten ihn aus. Hier war ein wirklicher Profi vor der Kamera, der zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal für einem ambitionierten Spielfilm engagiert wurde.

Verschwörungsgeschichte

Bei einer seiner Lectures in Deutschland wunderte sich der US-Drehbuchlehrer Robert McKee darüber, dass sich in diesem Land niemand traue, kritische oder gar komische Filme über Polizei, Militär, Kirche oder gar Politik zu machen (Altenbug u.a., Frankfurt 200: Jenseits von Hollywood, S. 210). Detlef Michel führt dieses Phänomen auf den immer noch vorhandenen, typisch deutschen Untertanengeist zurück (ebenda, S. 66-79). Es ist erstaunlich, dass in einem Land, dessen Bürger sich die Demokratie nicht erkämpften, sondern nach dem Niederringen ihrer selbstgewählten NS-Diktatur von den ausländischen Eroberern quasi "geschenkt" bekamen, der Einzelne am Fernsehapparat und auf der Kinoleinwand immer noch tagtäglich durch Kriminalkommissare niedergerungen wird. Es gibt in den deutschen Medien keine korrupten Polizisten oder Politiker, schon gar nicht erfolgreiche Individuen. Die legendären Posträuber, die in den 60er Jahren via Bildschirm einen ganzen Zug ausraubten und ungeschoren davonkamen, waren ein gewaltiger TV-Erfolg, aber Einzelfall. Obergangster Horst Tappert führte danach in monotoner Serie als Kriminalkommissar wirklich jeden Gangster hinter Gitter - und Harry durfte den Wagen vorfahren. Die letzte Derrick-Folge, wie üblich verfasst von Erfolgsautor Herbert Reinecker, bliebt unverfilmt, weil zu revolutionär, zu politisch. Auf deutschen Leinwänden lohnen sich keine Alleingänge, wird Individualismus abgestraft, verlangt der Staat Unterordnung. Dass dieses ewig gleiche Ritual heutzutage zunehmend von Kommissarinnen vollzogen wird, liegt vermutlich an den entscheidungsgewaltigen Lektorinnen in der Rundfunkanstalten, die inzwischen massenhaft den feministischen Marsch durch die Institutionen vollzogen haben. 

Dabei müssten doch gerade wir in Deutschland das Misstrauen gegen Amtsträger in Uniform kultivieren und selbstbestimmten Individualismus kultivieren. Unsere Geschichte zeigt überdeutlich wohin blinder Untertanengeist führen kann (Goldhagen, Berlin 1996: Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust). Demokratisches Bewusstsein muss stets neu in den Bürger geweckt werden, um Demokratie zu erhalten. Dies ist eine wichtige Funktion von Film (Amos Vogel, Reinbek bei Hamburg 2000: Film als subversive Kunst. Kino wider die Tabus - von Eisenstein bis Kubrick).  Mein Vorbild ist erklärtermaßen das amerikanische Kino. Unbestritten produziert Hollywood am laufenden Band staatstragende Kitsch- und Gewaltfilme. Aber die USA sind m.E. auch im cineastischen Bereich ein immer noch ein Musterbeispiel lebendiger, sich selbst reinigender und damit erneuernder Demokratie. Verschwörungs-Serien wie The X-Files, All the President's Men, Watergate oder gerade jetzt The Day After Tomorrow und Fahrenheit 911 bringen aktuelle politische Themen auf unterhaltsame Weise einem großen Publikum nahe, scheuen sich nicht, Politiker der Jetztzeit in Frage zu stellen. Im amerikanischen Kino staatstragende Helden wie den braven Soldaten, den guten Kriminalkommissar etc. Aber dem Publikum ist es auch gestattet, sich mit dem scheinbar subversiven Helden zu identifizieren, der einsam, doch unbeirrbar und letztendlich erfolgreich Siege gegen "die da oben" feiern darf. Amerikanische Helden dürfen auch als Gangster siegen. Und sie werden nicht immer von Derrick geschnappt. Harry kann den Wagen in der Garage lassen. Allmächtige Staatsdiener repräsentieren entsprechende Staatswesen, freiheitliche Individuen hingegen machen Hoffnung auf eine ebensolche Gesellschaft.

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10. Astro-Logisches

In meinem Radix steht Uranus im zehnten Haus auf 9° Löwe nahe des Medium Coeli, ist als nach klassischer Schule der maximalbedeutsamste Planet. Er bildet zu Neptun in I auf 0:30' Skorpion ein leichtes, separatives Quadrat. Uranus bildet in Sextil/Trigon-Aspekten ein Stellium zu Venus, Jupiter und Saturn. Und Neptun bildet ein Stellung mit Sonne/Pluto durch Spiegelpunkt/Sextil und mit dem MC eine Quadratur. Diese beiden Stellien decken einen Großteil meines Radix ab. Deshalb schenkte ich der applikativen Opposition des Transit-Neptuns zum Radix-Uranus große Beachtung. Die Kulmination dieses Aspekts fand 2003 statt. Dazu kam ein zwar separatives, aber immer noch aktuelles Trigon des Transit-Uranus zum Aszendenten, verstärkt durch das mundane Jupiter-Pluto-Trigon. Die Zeit war überreif für die Realisation des Filmprojekts. Dazu kamen mehrere verstärkende Aspekte von Jupiter und Uranus. Wichtig für Finanzierungen sind in meinem Horoskop Transite zu 4 bis 9 Grad Luft bzw. Feuer. All dies war 2003 vorhanden, allerdings nur bis Ende August. 

Ein weiteres Abwarten hätte zum Scheitern geführt. Nach der Uranus-Opposition bildet Neptun ab 2004 lange Zeit nur ein diffuses Quadrat zu den Mondknoten. Der transitierende Uranus bildet ab seinem Eintritt ins Fische-Zeichen störende Oppositionsaspekte zu Sonne und -Pluto, in den darauffolgenden Jahren ein Saturn-Quadrat, dann Oppositionen zu Mars, Mond. Pluto selbst tritt Ende 04 aus dem fördernden Trigon zum AC aus, bildet dann lange ein schwieriges Merkur-Quadrat. Zudem werden in 2004 die extrovertierten Radixpositionen auf 4 bis 9 Grad Luft/Feuern bis auf einen kurzen Jupiter-Übergang im Herbst nicht tangiert. 

Ich versuche stets, positiv zu denken, Astrologie nur als Erkenntnisweg und zum Aufspüren von Entwicklungsmöglichkeiten zu sehen, nicht aber für Schulprojektionen auf das Schicksal oder für Verdrängungen. Die positiven Möglichkeiten kulminierten allerdings im ersten Halbjahr 03 derart deutlich und die schwierigen astrologischen Tendenzen zeigen sich danach derart intensiv, dass ich das Projekt unbedingt abschließen wollte, zumindest den extravertierten Teil, d.h. die Dreharbeiten. Die vor- und rückläufigen Zyklen Jupiters und Saturns ab Herbst 2003 mit ihren Wendepunkten Anfang November und dann wiederum im März bzw. Mai 04 hob ich mir für die Postproduction auf. Obwohl ich sehr aufs Tempo drückte für den rough cut bis zum November 03, war mir erklärtermaßen klar, dass es in der rückläufigen Phasen bis ins Frühjahr 04 Nachbesserungen geben würden. Die substantielle Umgestaltung war mit Saturns erneuter Vorläufigkeit im März 04 abgeschlossen. Danach ging es in einer rückläufigen Merkur-Phase nur noch um das allerletzte Debugging. Mit Jupiters Vorläufigkeit, die sich weit in das luftige, will meinen extravertierte Waage-Zeichen hineinbewegen wird, schickte ich ab 20. Mai die gesamten Sendungen an die Festivals. Dies geschah zu Beginn einer rückläufigen Venus-Phase, was auf ein gehemmtes Marketing hindeuten kann. 

Allerdings setze ich sowieso weniger auf die ersten Festival-Bewerbung. Der Film muss seine persönlichen Liebhaber finden, damit er in den Markt Anfang Juno, zur vorläufigen Venus-Phase, werden diverse Werbeunterlagen an Udo Moll übergeben, der sowieso während der ganzen Produktion die extrovertierte Rolle des Senior Partner spielte, während ich mich hauptsächlich auf Content konzentrierte. Um den Film geistig loszulassen und ihn auf anderer Ebene weiter zu promoten, werde ich zu der Zeit mit dem Rad über Ostdeutschland, Tschechien, Österreich und die Schweiz fahren. Unterwegs schreibe ich die Romanfassung, die Online von einer Münchnerin lektoriert wird. Dort werde ich Anfang Julei den Film dann auch erstmals Dritten zeigen, mich um einen Kontakt mit dem Astrologen Winfried S. Noe bemühen, der im Film charismatisch den Weisen spielt. 

Hier das offizielle Abschlusshoroskop de Films: Außen die mundanen Jahrestransite und innen das Augenblickshoroskop, erstellt aus genau den Zeitpunkt der nach vom 23. auf den 24. Mai, wenn dieser Text abgeschlossen ist. Sive astrologia sit ars sive scientia: certe una pulchra fantasia!.  

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